Zwerg im ende 7.Monat
Mit seiner Hand streichelt er über meine,
- sanft, warm, zart-
es ist seine Art zu danken
und seine Liebe auszusprechen!
Ohne Grenzen von Menschenfurcht.
Ist diese Art etwa nicht lebenswürdig?
Warum ist deine Art lebenswürdig?
Er hat Augen zum Sehen,
2, genau wie du und ich.
Sie strahlen voll Freude,
wenn du Zeit für ihn hast.
Sie lachen, wenn du mit ihm spielst.
Sie weinen, wenn sie abgegrenzt in der Ecke sitzen.
Sie werden groß, wenn du sie überraschst.
Ist er mit diesen Augen nicht lebensfähig?
Warum bist du mit deinen Augen lebensfähig?
Er hat immer etwas zu erzählen und freut sich,
wenn du ihm zuhörst.
Ist es bei uns da anders?
Er wird groß, laut, weit,
wenn er etwas zu lachen hat.
Das ist seine Weise zu leben.
Ist diese Weise unzumutbar?
Warum bist du zumutbar?
Sein Herz ist mehr als nur ein 4 - Kammer- Blick,
es ist der Sitz seiner Gefühle.
Es macht ihn zum Menschen.
Es macht ihn zu dem Menschen, der er ist...
Mensch von Anfang an.
Er atmet die gleiche Luft,
wie du und ich...
willst du es ihm verwehren?
Wer bist du, darüber zu urteilen?
Ungefragt, Arrogant, Selbstsicher.
Ihm ein Ende zu setzen?
Was sagst du? Er ist ein Down- Syndrom??
Nein, Er ist ein Mensch, der nur anders ist,
wie du und ich...
wir leiden nämlich am Menschlichkeitsdefizitsyndrom!!
Willkommen
Willkommen auf diesem Planeten,
willkommen in unserer Welt!
Wir fangen an zu ahnen:
du hast uns bisher noch gefehlt.
Wir wollen von dir lernen,
wie man vollkommen lacht –
ganz unbeschwert und völlig frei
von dem, was Sorgen macht.
Wir wollen von dir lernen,
wie man Trauer zeigt –
öffentlich und tränenreich
und nicht voll Scham still schweigt.
Wir wollen von dir lernen,
wie man entrüstet schreit,
ganz spontan und ungehemmt
und dann ganz schnell verzeiht.
Wir wollen von dir lernen,
dass alles aus Wundern besteht –
jedes Blatt, jedes Tier, jeder Finger von dir
und der Wind, der ums Haus herum weht.
Wir wollen mit dir gemeinsam
durch dieses Leben gehn:
uns streiten, versöhnen,
kämpfen, verwöhnen,
uns halten und fassen
und auch wieder lassen,
uns in die Augen sehn
und lernen zu verstehn.
Renate Eggert-Schwarten
Die meisten Frauen werden durch Zufall Mutter, manche freiwillig, einige unter gesellschaftlichem Druck und ein paar aus reiner Gewohnheit.
Dieses Jahr werden 100 000 Frauen Mütter behinderter Kinder werden.
Haben Sie sich schon einmal Gedanken darüber gemacht, nach welchen Gesichtspunkten die Mütter behinderter Kinder auserwählt werden?
Ich stelle mir Gott vor, wie er über der Erde schwebt und sich die Werkzeuge der Arterhaltung mit größter Sorgfalt und Überlegenheit aussucht. Er beobachtet genau und diktiert seinen Engeln
Anweisungen ins riesige Hauptbuch.
“Armstrong, Beth: Sohn. Schutzheiliger: Matthias.
Forest, Marjorie: Tochter. Schutzheilige: Cäcilie.
Rutledge, Carrie: Zwillinge. Schutzheiliger?
Gebt ihr Gerard, der ist es gewohnt, daß geflucht wird.” Schließlich nennt er einem Engel einen Namen und sagt lächelnd: “’Der gebe ich ein behindertes Kind.” Der Engel wird neugierig: “Warum
gerade ihr, o Herr? Sie ist doch so glücklich.”“Eben deswegen”, sagt Gott lächelnd. “Kann ich einem behinderten Kind eine Mutter geben, die das Lachen nicht kennt? Das wäre grausam.” “Aber hat
sie denn die nötige Geduld?” fragt der Engel. Ich will nicht, daß sie zuviel Geduld hat, sonst ertrinkt sie in einem Meer von Selbstmitleid und Verzweiflung. Wenn der anfängliche Schock und Zorn
erst abgeklungen sind, wird sie es tadellos schaffen. Ich habe sie heute beobachtet. Sie hat den Sinn für Selbständigkeit und Unabhängigkeit, die bei Müttern so selten und nötig sind. Verstehst
du: das Kind, das ich ihr schenken werde, wird in seiner eigenen Welt leben. Und sie muß es zwingen , in der ihren zu leben, das wird nicht leicht werden.”“Aber, Herr, soviel ich weiß, glaubt sie
nicht einmal an dich.”
Gott lächelt: “Das macht nichts, das bringe ich schon in Ordnung. Nein, sie ist hervorragend geeignet. Sie hat genügend Egoismus.” Der Engel ringt nach Luft. Egoismus? Ist das denn eine
Tugend?”
Gott nickt. “Wenn sie sich nicht gelegentlich von dem Kind trennen kann, wird sie das alles nicht überstehen. Diese Frau ist es, die ich mit einem nicht ganz vollkommenen Kind beschenken werde.
Sie weiß es zwar noch nicht, aber sie ist zu beneiden. Nie wird sie ein geesprochenes Wort als etwas Selbstver-ständliches hinnehmen. Nie einen Schritt als etwas Alltägliches. Wenn ihr Kind zum
ersten Mal Mama sagt, wird ihr klar sein, daß sie ein Wunder erlebt.
Wenn sie ihrem blinden Kind einen Baum, einen Sonnenuntergang schildert, wird sie ihn so sehen, wie nur wenige Menschen meine Schöpfung jemals sehen.
Ich werde ihr erlauben, alles deutlich zu er-kennen, was auch ich erkenne - Unwissenheit, Grausamkeit, Vorurteile - und ich werde bei ihr sein, jeden Tag ihres Lebens, jede einzelne Minute, weil
sie meine Arbeit ebenso sicher tut, als sei sie hier neben mir.”
“Und was bekommt sie für einen Schutzheiligen?” fragt der Engel mit gezückter Feder.
Da lächelt Gott. “Ein Spiegel wird genügen.”
Ich will...
Ich will kein Klient sein
Ich will einfach jemand sein
Ich will kein Etikett
Ich will einen Namen
Ich will keine Pflegedienste
Ich will Hilfe und Unterstützung
Ich will keine Heimunterbringung
Ich will ein Haus
Ich will keine Beschäftigungstherapie
Ich will sinnvolle, produktive Sachen machen.
Ich will nicht mein ganzes Leben lang betreut werden und Pflege erhalten
Ich will Sachen lernen, die mir Freude machen und dahin gehen, wo ich es schön finde.
Ich will Spaß haben, das Leben genießen und Freunde finden
Ich will die gleichen Chancen bekommen wie Ihr alle
Ich will glücklich sein....
(Bea Maes, Brügge, November 2004)
Der kleine Engel
Es war einmal ein kleiner Engel, der war im ganzen
Himmelreich bekannt und beliebt. Es gab praktisch keine
Wolke, auf der man nicht von ihm wusste. Der kleine Engel
war fast immer vergnügt und versprühte überallseine gute Laune. Andere Engel, denen es gerade
einmal nicht gut ging, brachte der kleine Engel schnell
auf andere Gedanken. Wenn er besonders gut gelaunt war,
konnte der kleine Engel ein richtiger Komiker sein,
der nur Blödsinn im Kopf hatte. Und ehrlich gesagt,
das war ziemlich oft der Fall. Seine umwerfende
Fröhlichkeit und Lebenslust waren einfach
nicht zu bremsen.
Daneben war der kleine Engel auch ein rechter
Tollpatsch. An manchen Tagen schien es fast so,
als hätte er zwei linke Hände und an beiden zwei
linke Daumen. Aber das nahm dem kleinen Engel
niemand krumm. Im Gegenteil: Der kleine Engel versprühte
so viel Charme und Herzlichkeit, dass er mit seinen
schelmischen Augen jeden sofort verzaubern konnte.Das alles machte den kleinen Engel ziemlich einzigartig.
Und so sahen es ihm die anderen Engel auch nach,
dass er bei anderen – in der Engelszunft „viel wichtigeren“
Geschäften – nicht der Schnellste war.
Aber daran hatten sich alle mit der Zeit gewöhnt.
Es war einfach schon immer so gewesen. Nie hatte eder kleine Engel mit irgendetwas wirklich eilig gehabt.
Als andere Engel schon die ersten Flugversuche machten,
lag der kleine Engel immer noch auf dem Bauch.
Er lernte erst eine ganze Weile später fliegen – aber
er lernte es. Und so machte es der kleine Engel
mit den meisten Sachen. Und manche Dinge,
die ihm entweder zu schwierig oder auch einfach zu langweilig
waren, die ließ der kleine Engel halt bleiben.
Eines Tages wurde der kleine Engel zum lieben Gott gerufen,
also zum Chef höchstpersönlich. Da bekam es der kleine
Engel mit der Angst zu tun. Was könnte der liebe Gott
von ihm wollen? Er musste wohl Wind von einem seiner
Streiche bekommen haben.
Vielleicht hatte sich der Trompetenengel beschwert,
weil der kleine Engel ihm seine Flügel rot angemalt hatte,
als er schlief. Aber rot sahen die nun mal viel besser aus.
Und zur Trompete passten sie so auch am besten.
Der kleine Engel konnte ja nicht wissen, dass dem
Trompetenengel rot nicht recht gefiel. Und auch nicht,
dass ihn die Flügelreinigung Stunden kostete.
War es diese Sache?
Oder die Sache mit der blonden Locke,
die er einem hübschen Oberengel abgeschnitten hatte?
Oder das mit der Harfe, die er sich einmal unerlaubt
ein bisschen ausgeliehen hatte und neu stimmen wollte.
Oh je, dem kleinen Engel fielen plötzlich ziemlich
viele Sachen ein, die ihm den Termin beim großen
Boss eingebrockt haben könnten. Aber es half ja alles nichts.
Und so machte sich der kleine Engel – ausnahmsweise
noch ein wenig kleiner – auf zum lieben Gott.
Der liebe Gott war gerade bei einem Treffen
und zwar mit dem Weihnachtsmann und dem Christkind.
Alle drei machten ein ernstes, ratloses Gesicht
und waren schwer am Grübeln. Das Christkind seufzte:
„Es wird immer schwieriger, die Erdenkinder
mit einem schönen Geschenk glücklich zu machen.“
„Richtig!“ pflichtete der Weihnachtsmann bei,
„die haben doch längst alles. Ganz egal was ich bringe,
ein paar Minuten und aller Zauber ist verflogen.
Und immer öfter gefallen ihnen meine Geschenke
gar nicht mehr. Die werden immer unzufriedener.“
„Ach ihr Lieben, das weiß ich doch auch“,
erwiderte der liebe Gott, „ich beobachte das schon
eine ganze Weile. Mit dem Herzen sieht heute kaum
noch einer. Dafür wird um so mehr auf
Äußerlichkeiten geachtet – und auf das ein oder
andere Statussymbol: das schnellste Auto,
das größte Haus, der tollste Urlaub, das meiste Geld.
Das Zweitbeste ist meistens schon nicht mehr
gut genug“, sinnierte er.
„Genau so ist es“, meinte das Christkind.
„Aber das ist noch nicht mal alles.“ Die fragenden Blicke
des lieben Gott und vom Weihnachtsmann
bemerkend erläuterte das Christkind das
ganze Dilemma.
„Das Schlimmste ist, dass die Erdenkindergenauso überzogene Ansprüche an sich selbst
und an Ihre Liebsten stellen. Auch da muss alles wie
aus dem Bilderbuch sein. Und wenn nur ein kleines
Mosaiksteinchen fehlt, dann ist das Geschrei groß.“
„Ach ja“, sagte der liebe Gott, „mit meinen
Erdenkindern ist das wirklich nicht einfach.
Ich kann Euch da verstehen. Aber sie haben sich
halt einfach allesamt zu sehr selbst unter
Druck gesetzt. Und jetzt fangen sie leider an,
an diesem Druck zu zerbrechen. Nach außen hin
geht es ihnen blendend, alles ist bestens. Aber tief
im Innern sind viele einfach nur unglücklich
und haben Angst.“
„Aber können die Menschen denn nicht lernen,dass es unendlich mehr im Leben gibt als Intelligenz,
Schönheit und Perfektion und dass nicht alles
in Geld gemessen werden kann?“, fragte das Christkind.„Sie müssen wieder lernen, mit dem Herzen zu sehen.“
„Du hast ja Recht“, sagte der liebe Gott,
„aber was soll ich machen? Ich habe schon einige
Botschaften nach unten geschickt. Aber haften
ist nicht viel geblieben.“
Erst jetzt nahmen sie den kleinen Engel wahr,
der ganz verstohlen neben der Türe stand.
Sofort erstrahlten ihre Gesichter und der liebeGott streckte seine Arme nach ihm aus:
„Komm her, du kleiner Engel, ich glaube,
wir haben da eine kleine Mission für dich.
“ Stolz wie Oskar strahlte der Engel übers ganze Gesicht:
„Für mich?“
Dann fügte er aber gleich in einem etwas
nachdenklicherem Ton hinzu: „Aber ich bin doch
immer der Langsamste? Sogar auf die Engelsschule
durfte ich lange nicht. Ich kann nicht viel, sagt man.“
„Du bist dafür genau der Richtige“,
erklärte der liebe Gott. „Mit deinem Lächeln
und deinem unwiderstehlichen Charme
wirst du eine Helligkeit und eine Wärme
in die Herzen der Menschen zaubern,
wie es sonst nur die Sonne kann.“„Wenn ihr meint“, sagte der kleine Engel.
Ein wenig mulmig war ihm schon zumute.
Was ihn wohl alles erwarten würde. Aber gut,
warum auch nicht. Er streckte die Flügel aus, sah sich
nochmals kurz um und flog los.
„Ach übrigens“, der kleine Engel hörte den lieben Gott
kaum noch, so schnell war er unterwegs,
„bleib’ bitte maximal ein Leben – du wirst auch
hier oben gebraucht“ rief ihm der liebe Gott nach.
„Geht klar!“
rief der kleine Engel zurück.Wenn ich nur mehr von der Sorte hätte,
dachte der liebe Gott.
Und lächelte.
Du bist Du
Vergiss es nie,
dass du lebst, war keine eigene Idee
und dass du atmest, kein Entschluss von dir.
Vergiss es nie,
dass du lebst war eines anderen Idee,
und dass du atmest, sein Geschenk an dich.
Vergiss es nie,
niemand denkt und fühlt und handelt so wie du,
und niemand lächelt so, wie du es tust.
Vergiss es nie,
niemand sieht den Himmel ganz genau wie du,
und niemand hat je, was du weißt, gewusst.
Vergiss es nie,
dein Gesicht hat niemand sonst auf der Welt,
und solche Augen hast alleine du.
Vergiss es nie,
du bist reich, egal ob mit, ob ohne Geld,
denn du kannst leben, niemand lebt wie du!
Du bist gewollt, kein Kind des Zufalls, keine Laune der Natur,
ganz egal, ob du dein Lebenslied in Moll singst oder Dur
du bist ein Gedanke Gottes, ein genialer noch dazu.
Du bist Du!
Jürgen Werth,
Eine unwahrscheinliche Geschichte
Die Schimpansin war mit ihren 18 Jahren sowas wie die „graue Eminenz“ in ihrer Sippe. Ihre Erfahrung hat schon in manchen kritischen Situationen das
Überleben der gesamten Sippe gesichert. Sie wußte, wo Gefahren lauerten, wo man ein sicheres Lager für die Nacht finden konnte. Sie kannte alle eßbaren und alle giftigen Früchte. Sie hatte
bereits viele Junge geboren und aufgezogen. Einige hatten die Sippe verlassen, um ihr eigenes Leben aufzubauen. Andere sind geblieben, haben innerhalb der Sippe ihre eigene Familie
gegründet.
Alle ihre Jungen haben gelernt, was nötig ist, ein eigenes, selbständiges Leben zu gestalten. Sie hat sie auf alles vorbereitet, was das Leben an
Überraschungen, Gefahren, Freude bringen kann.
Aber das, was sie jetzt in ihren Armen hielt, traf sie völlig unvorbereitet. Dabei hatte alles ganz normal begonnen.
Sie hatte bemerkt, daß ihr Bauch wieder kugelig wurde, daß sie schneller ermüdete als sonst. Sie wußte, sie würde ein weiteres Junges bekommen. Sie würde es
lieben, es auf die Gefahren des Dschungels vorbereiten, es in die Sippe einführen, es würde irgendwann als vollwertiges Sippenmitglied anerkannt werden, Aufgaben übernehmen müssen und – wer weiß
– eines Tages vielleicht sogar die „graue Eminenz“ der Sippe sein, die Streitigkeiten schlichten mußte, deren Erfahrung und Mut den Respekt der gesamten Sippe verdiente.
Fassungslos starrte sie ihr Neugeborenes an.
Es war unverkennbar, es gab große Ähnlichkeiten mit anderen Babys, es hatte Arme, Beine, Finger, Zehen,
es war alles da, was einen Schimpansen auszeichnet – aber doch war es so ganz anders als alle anderen.
Der ganze Körper war nackt, ohne schützendes Fell.
Der Kopf war viel zu dick und zu schwer. Sie mußte ständig aufpassen, daß er nicht zur Seite kippte.
Die Ärmchen und Beinchen waren viel zu kurz, die Zehen unterentwickelt, die Finger so kraftlos, daß das Junge sich nicht in ihrem Fell festkrallen konnte,
wenn sie in den Bäumen auf Nahrungssuche war. Der gesamte Körper war plump, unbeweglich, hilflos.
Sie wußte, es war ihr Junges, sie würde es lieben.
Sie wußte, keiner in ihrer Sippe würde es wagen, ihr Junges offen anzugreifen.
Im Moment schien es ihr unwahrscheinlich, daß ihr Junges einmal allein und ohne fremde Hilfe auf Bäume würde klettern können. Aber sie würde es anleiten. Sie
nahm sich vor, ihre ganze Liebe, Erfahrung und Kraft einzusetzen, um ihrem Jungen ein möglichst eigenständiges Leben zu ermöglichen. Es war nötig, denn sie war schon alt. Eines Tages würde sie
nicht mehr da sein, ihr Junges zu beschützen, es zu ernähren. Bis dahin mußte sie es einfach schaffen, ihrem Jungen wenigstens die grundsätzlichen Fähigkeiten zu vermitteln, damit es trotz seiner
schweren Behinderung seinen festen Platz in der Sippe würde einnehmen können.
Sie blickte noch mal in dieses vertraute und doch so fremde Gesicht. Es hatte einen seltsamen, irgendwie heiteren Ausdruck, den sie noch niemals gesehen
hatte. Die Mundwinkel waren weit auseinander gezogen, wirkten aber nicht bedrohlich, eher glücklich und zufrieden. Das kleine Wesen ahnte nichts von seiner Schwäche, von den Schwierigkeiten, die
es im Laufe seines Lebens würde meistern müssen. Es lag nur da, friedlich, freundlich mit diesem merkwürdig fremden Ausdruck auf seinem Gesicht.
In ihrer Einfalt war es der Schimpansin nicht möglich zu erkennen, welchen Streich ihr die Natur gespielt hatte, welches unvorstellbare Potential in ihrem
Jungen schlummerte. Sie konnte nicht ahnen, daß ihr Junges in der Lage war, auf den Mond zu fliegen, wenn man es nur lassen würde, wenn es nur die richtigen Vorbilder hätte. Sie blickte in das
Gesicht ihres behinderten Jungen – und sie erkannte es nicht – das allererste Menschenkind!
Karl Aldenhoff, März 2000
Was ein Kind lernt
Ein Kind, das wir ermutigen lernt Selbstvertrauen.
Ein Kind, dem wir mit Toleranz begegnen, lernt Offenheit.
Ein Kind, das Aufrichtigkeit erlebt, lernt Achtung.
Ein Kind, dem wir Zuneigung schenken, lernt Freundschaft.
Ein Kind dem wir Geborgenheit geben, lernt Vertrauen.
Ein Kind, das geliebt und umarmt wird, lernt zu lieben und zu umarmen
und die Liebe dieser Welt zu empfangen.
(verfasser unbekannt)
Von Kindern lernen
Kinder sind Augen, die sehen,
wofür wir längst schon blind sind.
Kinder sind Ohren, die hören,
wofür wir längst schon taub sind.
Kinder sind Seelen, die spüren,
wofür wir längst schon stumpf sind.
Kinder sind Spiegel, die zeigen,
was wir gerne verbergen.