Hier wird meine Mama nun nach und nach alles zusammentragen was sie so über Down-syndrom Plus findet.
Und dafür muss man wirklich gut suchen, denn es ist gar nicht so einfach darüber Infos zusammenzutragen!
Falls ihr was findet, was vielleicht hier noch nicht steht.. bitte schreibt eine private Email an meine Mama.
Sie freut sich über jeden Hinweis, jeden Artikel, jeden Buchtipp usw. Eben was ihr so findet...
Mama hat dort alles rot markiert was auch mich zutrifft.
Von PD Dr. Barbara Jeltsch-Schudel
Universität Freiburg / CH
Heilpädagogisches Institut
eMail: barbara.jeltsch@unifr.ch
aus dem Sonderheft "Mittendrin" zur Down-Syndrom-Tagung 2006 in St.Virgil in Salzburg, herausgegeben von DSÖ, Institut Leben Lachen Lernen
Der Begriff Down-Syndrom-Plus wurde von Müttern mit Kindern mit Down-Syndrom der EDSA, einer Elternvereinigung in der Schweiz geprägt. Leidvolle Erfahrungen mit den eigenen Kindern ließ diese Mütter feststellen, dass sich nicht alle Kinder mit Down-Syndrom gleich gut bzw. gleich schnell entwickeln, dass es Entwicklungserschwernisse durch zusätzliche Beeinträchtigungen gibt. Als heilpädagogische Beraterin der EDSA (Schweiz) wurde ich in diese Diskussion einbezogen.
In Fachkreisen ist die Tatsache längst bekannt: Die Bandbreite der Entwicklung von Kindern mit Down-Syndrom ist sehr groß ist, dass es sich also bei Menschen mit Down-Syndrom nicht um eine homogene Gruppe handelt.
Down-Syndrom Plus bezeichnet die Behinderung jener Menschen mit Down-Syndrom, deren Entwicklung aus verschiedenen Gründen verzögert oder behindert ist. Down-Syndrom-Plus ist als Sammelbegriff für Menschen mit Down-Syndrom gesetzt, deren Entwicklung aus verschiedenen Gründen verzögert und behindert wird. Einerseits können Fehlbildungen und spezielle Erkrankungen (wie etwas Herzfehler) sowie Funktionsbeeinträchtigungen von Ohren und Augen die Entwicklung ungünstig beeinflussen, andererseits können auch tiefgreifende Entwicklungsstörungen beteiligt sein. Diese doppelte Diagnose ist wenig bekannt, aber relativ häufig: Auch wenn die Angaben variieren, so findet sich am häufigsten ein Wert von 5-7 %, d.h. dass 5-7 von 100 Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit Down-Syndrom auch autistische Störungen haben.
Um auch im deutschen Sprachraum Informationen zum Down-Syndrom-Plus, insbesondere auch zur Doppeldiagnose Down-Syndrom und tiefgreifende Entwicklungsstörungen, wie Autismus oder auch Hyperaktivität (ADHD) zu erhalten, begann mich mit Studierendengruppen diesen Fragen nachzugehen.
Im Folgenden werden Daten aus zwei Arbeiten (Borter et al., 2006; Bürk et al., 2005) aufgegriffen, miteinander in Beziehung gesetzt und mit einer früheren Untersuchung der Situation von Menschen mit Down-Syndrom in der Schweiz (Decurtins et al., 1995) verglichen. Zunächst eine kurze Information über die drei Projekte:
Alle drei Untersuchungen basieren auf schriftlichen Elternbefragungen und enthalten Daten, welche sich miteinander in Beziehung setzen lassen. Bereits bei diesen wenigen Angaben zu den Stichproben fällt auf, dass die Geschlechterverteilung stark variiert: viel mehr Jungen als Mädchen sind in den beiden Untersuchungen zum Down-Syndrom-Plus erfasst.
In allen drei Untersuchungen wurden die Eltern nach zusätzlichen Beeinträchtigungen ihrer Kinder befragt. Der folgende Überblick zeigt die Auflistung:
| Beeinträchtigung | Decurtins 1995 | Bürk 2005 | Borter 2006 |
|---|---|---|---|
| Sehbehinderung | 29 | 65 | 64 |
| Hörbehinderung | 6 | 55 | 33 |
| Herzfehler | (34)** | 50 | 51 |
| Unterfunktion Schilddrüse | * | 35 | 14 |
| M.Hirschsprung | * | * | 8 |
| Kurzdarmsyndrom | * | * | 3 |
| Zöliakie | * | 5 | 4 |
| Andere Organstörungen | 5*** | 35 | 11 |
| Körperbehinderungen | * | 20 | 12 |
| Minderwuchs | * | 30 | 14 |
| Hüftluxation/-leiden | 1 | 5 | 5 |
| Fußfehlbildungen | 2 | 65 | 19 |
| Atlantoaxiale Instabilität | * | * | 1 |
| Allergien | * | 15 | 5 |
| Epilepsie | 1 | 20 | 5 |
| West-Syndrom | * | 10 | 4 |
| Sprachentwicklungsstörung | 1 | 80 | 67 |
| Wahrnehmungsstörung | 4 | 55 | 23 |
| Hyperaktivität | * | 5 | 15 |
| Hypoaktivität | * | 5 | 1 |
| ADHS | * | 10 | 5 |
| Verhaltensauffälligkeiten | * | 35 | 8 |
| Autismus / autistische Züge | * | 55 | 22 |
| Depression | * | * | 1 |
| Hypokinesie | * | 5 | 4 |
| Hyperkinesie | * | * | 1 |
| *nicht erhoben | |||
| **nur von 36% beantwortet | |||
| ***Missbildung Magen-Darm-Trakt | |||
Deutlich wird, wie viele zusätzliche Beeinträchtigungen genannt werden. Dabei ist zu beachten, dass bei einzelnen Kindern lediglich eine, bei anderen mehrere Beeinträchtigungen angegeben werden. Es zeigt sich auch, dass die Zahlen bei Bürk et al (2005) und Borter et al. (2006), welche explizit Eltern von Kindern mit Down-Syndrom-Plus befragten, deutlich höher sind als bei Decurtins et al. (1995), welche allgemein Eltern von Kindern mit Down-Syndrom erfassten.
In der neuesten Untersuchung in der Schweiz wurden Entwicklungsmeilensteine erfragt. Es sind damit Fähigkeiten gemeint, die für die Entwicklung eine wichtige Rolle spielen. Die Auswertung der 73 Fragebogen ergibt, dass die Bandbreite, in der ein Entwicklungsmeilenstein erreicht wird, sehr breit ist. Auf einige Ergebnisse sei hier hingewiesen:
In der Fachliteratur zu Down-Syndrom und Autismus finden sich verschiedene Listen von Verhaltensweisen, welche bei Kindern mit dieser Doppeldiagnose öfter beobachtet wurden. Sie ähneln den Symptomen von Autismus, wie sie beispielsweise in der DSM-IV oder ICD-10 zusammengefasst sind.
Im Fragebogen der Untersuchung der deutschen Eltern wurden Daten zu solchen Verhaltensweisen erhoben. Es liegen Antworten von 11 Kindern mit Down-Syndrom und vermutetem bzw. diagnostiziertem Autismus sowie von 9 Kindern mit Down-Syndrom und einer anderen Zusatzbehinderung vor. Einige Ergebnisse seien hier genannt:
Die Verteilungen zeigen deutlich eine höhere Häufigkeit bezüglich solcher "autismus-ähnlicher" Verhaltensweisen bei Kindern mit der Doppeldiagnose. Sie verweisen aber auch darauf, dass diese Verhaltensweisen auch bei Kindern ohne Autismus vorkommen können. Dies verdeutlicht, dass es schwierig ist, die Doppeldiagnose zu stellen.
Insgesamt zeichnen sich einige Tendenzen ab:
Es wäre verfehlt, das Augenmerk nur auf die Defizite der Kinder zu richten.
Wenn dies hier trotzdem geschieht, so in der Annahme, dass die Kenntnisse spezifischer Schwierigkeiten Hinweise auf angemessene, entwicklungsfördernde Angebote geben können.
Die Kenntnis der Einflüsse zusätzlicher Beeinträchtigungen kann aber auch die Bezugspersonen entlasten, welche sich um die Entwicklungsförderung von Kindern mit Down-Syndrom bemühen ? dies gilt insbesondere für die Eltern.
In Anbetracht der komplexen Aufgabe der Erziehung und Entwicklungsförderung von Kindern mit Down-Syndrom-Plus geht es darum, dass Eltern und Fachleute eine für alle förderliche Art des Zusammenarbeitens finden. Darin sollte Freude über Fortschritte ebenso geteilt werden können wie Trauer darüber, dass nicht immer alles so läuft, wie man es sich wünschen würde.